Kuelap – Die Citadelle der Chachapoyas


Vom kleinen Ort Leymebamba, der allerdings ein bedeutendes Museum beherbergt, etwa zwei Autostunden im Süden von Chachapoyas, befindet sich eine der bedeutendsten Ruinen der Vor-Inka Zeit (Kuelap). Die Schotterstraße schlängelt sich an den dicht bewachsene Hängen des andinischen Hochurwaldes entlang. Vom Parkplatz am Ende der Straße haben wir dann sicher noch eine halbe Stunde bis zum ersten Anblick der Festungsmauern gebraucht. Auf 3000m Seehöhe und kräftiger Sonneneinstrahlung kann der Weg mitunter schon etwas beschwerlich sein. Auf der gut angelegten Strecke finden sich jedoch einige schattige Rastplätze, um tief durch zu atmen, was bei der dünnen Luft gut tut.

Für die Anfahrt empfehle ich ein Auto mit Chauffeur zu mieten, so wie wir das gemacht haben. Einerseits spart ortskundige Begleitung viel Zeit, da es nur wenige Hinweisschilder gibt und andererseits erlaubt diese Art der Anreise jederzeit einen kurzen Stopp einzulegen, um die Aussicht zu genießen. S/ 200 (ca. EUR 70) kostet ein Auto mit Chauffeur pro Tag. 

Die Chachapoya, denen die nächst gelegene größere Stadt ihren Namen verdankt, gründeten 800 n. Chr. die Citadelle mit ihren dicht aneinander stehenden runden Häusern und spitzen Dächern – so zumindest die Rekonstruktion. Im Süden und Norden befanden sich jeweils ein ebenfalls runder Tempel, die jedoch eine konische Form hatten. Fresken auf den Häuserruinen deuten darauf hin, dass im Süden der wohlhabendere Teil der Einwohner lebte und im Norden das gemeine Volk.

Der Aufbau der Festungsstadt dauerte etwa 200 Jahre und im 15 Jhd. wurde sie schließlich von den Inka erobert, bevor 100 Jahre später die Spanier kamen, um das Land und deren Bürger zu unterwerfen.

Die Chachapoyas hatten ein ausgeklügeltes System der Überwachung des Gebietes rund um die Citadelle, die so errichtet waren, dass Sichtkontakt mit strategisch wichtigen Punkten an den Zugängen zur Siedlung bestand und damit schon frühzeitig vor herannahenden Feinden mittels Rauchzeichen gewarnt werden konnte.

Funde in der Citadelle deuten darauf hin, dass die Chachapoyas intensive Kontakte, sowohl zu den Völkern im Amazonas hatten, als auch zu jenen auf der anderen Seite des Andengebirgszuges an der Pazifikküste.

Die Schlange und der Jaguar waren zentrale Kulttiere und finden sich auf Darstellungen, sowohl auf den runden Häusern, als auch auf diversen Gegenständen des täglichen Lebens. Wie alle Völker der Vor-Inka Zeit, war auch für die Chachapoyas das Leben nach dem Tod nicht zu Ende. Vielmehr mumifizierten sie die Verstorbenen und begruben sie in Sarkophargen. Auch Gegenstände des täglichen Lebens wurden den Toten für ihr post-mortales Leben mitgegeben. All das ist im Museum von Leymebeque in einer aufschlussreichen Präsentation zu sehen.

Massentourismus im Anmarsch?

Die peruanische Fremdenverkehrswirtschaft misst der Citadelle großes Potential zu und es wird davon gesprochen, dass sie zu einem zweiten Machu Pichu werden könnte. Aktuell wird die Citadelle nocht hauptsächlich von Peruanern und südamerikanischen Touristen besucht, zumal es in den näher gelegenen Orten kaum touristische Infrastruktur gibt.

Das erste Monsterprojekt steht jedoch kurz vor der Fertigstellung. Ein französisch-peruanisches Konsortium hat eine Gondelbahn bis zum Parkplatz errichtet, die im März des kommenden Jahres eröffnet werden soll. Damit soll die Besucherzahl mindestens verdoppelt werden, von heute 80 bis 120 Besucher pro Tag. Das Projekt scheint aber sehr isoliert geplant worden zu sein, da die Bahn im Nirgendwo beginnt und zwar nach ca. 20 Minuten Fahrt vom nächstgelegenen kleinen Dorf Nuevo Tingo auf der einspurigen Schotterstraße. Die Verkehrsaufnahmefähigkeit der Zufahrtsstraße ist also sehr begrenzt. Ähnlich sieht es bei der Bergstation aus. Dort fehlt es an sanitären Einrichtungen, an Bewirtungsmöglichkeiten und Aufenthaltsmöglichkeiten mit entsprechenden Entsorgungseinrichtungen cür Müll. All das kann natürlich noch bis zum März 2017 entstehen, doch angesichts der nicht erkennbaren Vorarbeiten, scheint das unwahrscheinlich. Abgesehen von diesen infrastrukturellen Schwächen, werden die Anwohner der heutigen Zufahrtsstraße zur Citadelle an Einkommen einbüßen, da sie aktuell mit ihren kleinen Verkaufsständen, wo sie Snacks und landwirtschaftliche Produkte anbieten am Tourismus teilhaben.

Kurz gesagt, hier scheint einmal mehr ein internationales Konsortium die lokalen und regionalen Politiker von einem Projekt überzeugt zu haben, dessen Tragweite offenbar nicht umfassend eingeschätzt wurde. Die Folgekosten werden wohl die Bewohner und die öffentliche Hand tragen müssen. Das internationale Konsortium nimmt den Gewinn mit.

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