Koka und Kakao


Vor zirka 15 Jahren wäre eine Reise in den Hochurwald am Rande des Amazonas wohl aus Sicherheitsgründen nicht ratsam gewesen, denn hier war eines der Zentren des peruanischen Kokaanbaus mit all den damit verbundenen Gefahren der Verarbeitung des traditionellen Laubes der indigenen Einwohner.Regierungyprogramme jenseits der US amerikanischen Vernichtungspolitik, haben jedoch dazu geführt, dass die Bauern auf andere Produkte umgestellt haben. Der Obstanbau spielt dabei die wichtigste Rolle, doch auch im Kaffee- und Kakaoanbau fanden die lokalen Bauern eine neue Einkommensquelle abseits der kriminellen Drogenkette. Ein Besuch bei Hiderico Bocangel Zavala, dem Eigentümer von ECOPERLACHA in Lamas in der Provinz San Martin zeigte auf, welches Potential im Kakao steckt. Ein Potential durchaus vergleichbar mit der europäischen Weinproduktion, denn Kakaoschote ist nicht gleich Kakaoschote und die Züchtung und Kreuzung von Sorten erfordert ebenso fachliches Wissen, wie es ein guter Winzer auch haben muss.

Die Kakaoschote gibt es in unterschiedlichen Farben, wobei jede für ein unterschiedliches Aroma steht. Eben etwas milder oder schärfer oder fruchtiger im Geschmack. Aber auch die Größe der Schote ist bedeutend nicht zuletzt, aus Gründen des Ertrages. So beinhaltet eine ertragreiche Sorte etwa 600 Kakaobohnen und unter den hier vorzufindenden klimatischen Bedingungen kann ca. alle 40 Tage geerntet werden. Wie beim Wein entsteht durch Aufpfropfung eine Hybridschote.

Selbstverständlich widmen sich die Kakaobauern auch der Bioproduktion und verzichten bei der Bekämpfung von Schädlingen und Pilzen auf den Einsatz künstlich hergestellter Substanzen. Unterstützt wird diese Anbauweise durch Vielfalt im  Kakaogarten. Neben unterschiedlichen Sorten werden auch Obstbäume, wie z. B. Mango, Orangen oder Avokado angepflanzt.Auch Kaffesträucher finden sich zwischen drinnen. Eine besondere Bedeutung für den Wasserhaushalt hat die wasserspeichernde Palme (span. aguajal). Sie reguliert den Wasserhaushalt und sorgt dafür, dass immer genug Feuchtigkeit vorhanden ist. Ein faszinierendes System!

Schließlich erfordert der Prozess der Weiterverarbeitung der Kakaobohne von der Schote bis zur Einsatzreife in der Schokoladeproduktion ebenso fachliches Wissen und auch ein wenig Geduld, denn die Bohnen werden nach dem Herauslösen aus der Schote, die übrigens bei der biologischen Produktion kompostiert und zur Düngung verwendet wird, fermentiert und dann getrocknet, wobei dabei sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit von Bedeutung sind. Dieser Prozess geschieht in unssrem Fall bereits im Kakaogarten und zwar in einer Art Glashaus, in dem die Temperatur etwa 80 Grad erreicht.

Und wer nicht warten kann bis die Schokolade fertig ist, der kann das Fruchtfleisch, in dem die Bohne in der Schote liegt direkt verkosten. Je nach Sorte kann der Geschmack einer Mango oder einer Guanaba ähneln. Süß und bekömmlich ist es allemal.

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